Markt Pressig investiert in die Zukunft der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wie sie im Zeitungsbericht der letzten Marktgemeinderatssitzung entnehmen konnten, sind wir als Kommune nach dem Kommunalen Abgabengesetz (KAG) gesetzlich dazu verpflichtet, die Einrichtungen der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung als sogenannte kostenrechnende Einrichtungen zu führen. Das bedeutet:
Die Gebühren dürfen weder Gewinne erzielen noch Verluste auf Dauer verursachen.
Alle Einnahmen aus Wasser- und Abwassergebühren dienen ausschließlich dazu, die tatsächlichen Kosten für Betrieb, Unterhalt, Erneuerung und Investitionen unserer Anlagen im gesamten Gemeindegebiet zu finanzieren.
Nach der turnusmäßigen Neukalkulation für den nächsten dreijährigen Kalkulationszeitraum müssen die Gebühren zum 01.07.2026 angepasst werden.
Die Verbrauchsgebühr für Wasser erhöht sich um 11 Cent netto je Kubikmeter (1.000 Liter) auf 2,47 € pro m³ und die Abwassergebühr um 65 Cent je Kubikmeter (1.000 Liter) auf 3,99 € pro m³. Die Grundgebühren bleiben unverändert.
Was bedeutet die Erhöhung konkret für einen Haushalt?
Ein durchschnittlicher Haushalt im Markt Pressig verbraucht etwa 120 Kubikmeter Wasser pro Jahr.
Die Gebührenanpassung bedeutet deshalb:
Wasser: 120 m³ × 0,11 € = 14,12 € (incl. 7 % MWSt) pro Jahr
Abwasser: 120 m³ × 0,65 € = 78,00 € pro Jahr
Mehrbelastung für 120.000 Liter: 92,12 € pro Jahr
Unser Markt Pressig steht vor der kontinuierlichen Aufgabe, seine Infrastruktur modern, umweltgerecht und zukunftssicher zu halten. Ein zentraler Baustein ist dabei die zuverlässige Abwasserbeseitigung. Um die Anlagen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen, wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Investitionen in die Modernisierung und Effizienzsteigerung der Kläranlage sowie des Kanalnetzes getätigt.
Dennoch macht die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre nun eine Anpassung der Abwassergebühren zum 1. Juli 2026 unumgänglich. Der Preis pro Kubikmeter Abwasser wird von bisher 3,34 Euro auf 3,99 Euro angehoben.
Investitionen in Umweltschutz und langfristige Stabilität
In den vergangenen Jahren hat der Markt Pressig konsequent in die Substanz der Entwässerungsanlagen investiert. Diese Modernisierungsmaßnahmen führen langfristig zu einer höheren Betriebssicherheit, einer verbesserten Reinigungsleistung und langfristig effizienteren Prozessen. Dass diese Investitionen notwendig waren, zeigt sich auch in den kalkulatorischen Kosten der aktuellen Gebührenkalkulation: Die Abschreibungen und Zinsen für das Anlagevermögen haben sich nahezu verdoppelt. Diese Werte spiegeln den geschaffenen und modernisierten Gegenwert wieder, der den Bürgerinnen und Bürgern über Jahrzehnte hinweg eine sichere Entsorgung garantiert. Eingepreist sind ebenfalls die anlaufenden Kanalsanierungsmaßnahmen in geschlossener Bauweise für das Gesamte Kanalsystem vorerst in den Ortschaften Welitsch und Pressig, welche die Lebensdauer bis zu einem Neubau der Kanalstrecken um bis zu 50 Jahre verlängern.
Der Sondereffekt 2024: Baustellenbetrieb trieb Energiekosten in die Höhe
Ein wesentlicher Grund für den aktuellen Anpassungsbedarf liegt in einem massiven, einmaligen Sondereffekt im Jahr 2024. Während der intensiven Umbau- und Optimierungsphase auf der Kläranlage mussten aufwendige Provisorien betrieben werden. Um den laufenden Betrieb der Abwasserreinigung ohne Unterbrechung aufrechtzuerhalten, war der Einsatz von permanent laufenden Pumpen zur Grundwasserhaltung sowie von temporären Bypass-Systemen zwingend erforderlich. Eine Kläranlage kann nicht einfach kurz ausgeschalten, umgebaut und wieder in Betrieb genommen werden. Das Abwasser strömt permanent und muss permanent gereinigt werden.
Der Umbau betraf die Hauptreinigungsbecken mit Rührwerken, Belüftern und Messtechnik. Diese müssen für den Umbau komplett geleert und gereinigt werden. Aufgrund der Lage und Tiefe der Betonbecken, muss das Grundwasser um die etwa 8 Meter tiefen Becken herum gesenkt werden, ansonsten würden die nun leeren Betonbecken wie Boote fungieren, aufschwimmen und hierbei zerstört werden. Um dieses aufschwimmen zu verhindern müssen also Pumpen 24/7 Grundwasser absenken, was in unmittelbarer Nähe zu einem Fluss nur mit höchsten Aufwand zu bewerkstelligen ist.
Diese baustellenbedingten Zusatzverbraucher führten im Jahr 2024 inmitten der allgemeinen Energiekrise zu einer vorübergehenden Explosion der Stromkosten auf über 304.000 Euro (im Vergleich zu rund 137.000 Euro im Folgejahr 2025). Da kommunale Einrichtungen nach dem Kommunalabgabenrecht (KAG) streng nach dem Kostendeckungsprinzip arbeiten müssen, dürfen weder Gewinne erwirtschaftet noch dauerhafte Verluste aus dem allgemeinen Haushalt querfinanziert werden. Die in dieser Umbauphase entstandenen Unterdeckungen müssen daher gesetzlich vorgeschrieben über die neue Gebührenperiode ausgeglichen werden und dürfen nicht wie die Kosten der auslösenden Baumaßnahme über einen längeren Zeitraum verteilt abgeschrieben werden.
Ausblick:
Die gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger ist, dass die Effizienzmaßnahmen bereits greifen.
Die Stromkosten nach Abschluss der wesentlichen Umbauarbeiten im Jahr 2025 sanken trotz noch fortwährender Grundwasserabsenkungen zu Beginn des Jahres. Für die neue Kalkulationsperiode ab Mitte 2026 ist ein stabiler und deutlich niedrigerer Energiekostenbedarf aufgrund der in Betrieb genommenen Photovoltaikanlage, der verbesserten Betriebstechnik und des nun günstigeren Stromtarifes kalkuliert.
Um die Belastung für die Haushalte so schonend wie möglich zu gestalten, werden die aufgelaufenen Defizite aus den Umbaujahren nicht auf einmal erhoben, sondern gleichmäßig und sozialverträglich über einen Zeitraum von drei Jahren gestreckt. Verbesserungsbeiträge werden wie versprochen hierfür nicht erhoben.
Mit dem neuen Gebührensatz von 3,99 Euro pro Kubikmeter sichert der Markt Pressig die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser wichtigen Umweltschutzeinrichtung und stellt sicher, dass die Abwasserentsorgung auch in Zukunft höchsten ökologischen und technischen Standards entspricht.
Auch beim Trinkwasser wurde investiert
Im Bereich der Wasserversorgung wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählen unter anderem die Erneuerung von Schieberkreuzen sowie die Verlegung neuer Wasserleitungen in den Ortsteilen Welitsch und Eila. Dank der guten staatlichen Förderprogramme konnten diese Maßnahmen wirtschaftlich umgesetzt werden. Dadurch fallen die Auswirkungen auf die Wassergebühren deutlich geringer aus, als dies ohne Fördermittel der Fall gewesen wäre.
Verantwortung übernehmen
Wasserleitungen, Hochbehälter, Pumpwerke, Kanäle und Kläranlagen arbeiten meist unsichtbar im Hintergrund. Erst wenn sie nicht mehr funktionieren, wird ihre Bedeutung sichtbar. Mit der Gebührenanpassung stellen wir sicher, dass die hohe Versorgungsqualität im Markt Pressig erhalten bleibt und notwendige Investitionen rechtzeitig umgesetzt werden können.
Wir wissen, dass jede Gebührenerhöhung für die Bürgerinnen und Bürger eine zusätzliche Belastung darstellt.
Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass eine verantwortungsvolle und vorausschauende Unterhaltung unserer Wasser- und Abwasseranlagen der richtige Weg ist.
Wer heute in die Infrastruktur investiert, verhindert deutlich höhere Kosten in der Zukunft. Deshalb bitten wir um Ihr Verständnis für diese notwendige Anpassung. Denn am Ende geht es um etwas, das wir alle jeden Tag nutzen und auf das wir uns jederzeit verlassen können müssen:
Sauberes Trinkwasser und eine sichere Abwasserentsorgung – für uns, unsere Kinder und unsere Enkel.
„Die beste Wasserleitung ist die, die niemand bemerkt. Die beste Kläranlage ist die, die zuverlässig arbeitet. Damit das auch in Zukunft so bleibt, investieren wir heute verantwortungsvoll in die Infrastruktur unseres Marktes.
Die Gebührenanpassung dient nicht der Gewinnerzielung, sondern dem Erhalt eines Systems, auf das wir alle jeden Tag selbstverständlich vertrauen.“
Herzlichst
Ihr
Stefan Heinlein
